Bertramsmühle

Nicht nur Müller, auch Gastwirte …

Gebäude der ehemaligen Bertramsmühle, 2003

Anmerkung: In Solingen gibt es noch zwei Mühlengebäude, die dem Gebäude der Bertramsmühle sehr ähnlich sehen: die Bausmühle an der Itter und die Johänntgesbrucher Mühle. Ein möglicher Zusammenhang – etwa ein gemeinsamer Baumeister oder Bauzeitraum – ist bisher nicht geklärt.

Lage

Die Bertramsmühle in der Gemeinde Dorp, Flur 6 war das erste Wassertriebwerk am Bertramsmühler Bach und ist auf der bekannten Karte von Ploennies aus dem Jahre 1715 schon verzeichnet.

Karte Ploennies, 1715
Bertramsmühle auf der Karte von Ploennis, 1715

Koordinaten des Mühlengebäudes: 51° 8'58.72"N,  7° 6'46.83"E

Geschichte

Der Solinger Geschichtsschreiber Rosenthal datiert die Mühle mindestens ins Jahr 1488. Im Altenberger Zehntverzeichnis für das Kirchspiel Solingen, dem Liber decimarum von 1488, glaubt er in der sogenannten „Gysen“-Mühle anhand der geografischen Aufzählung die Bertramsmühle zu identifizieren.
Ein altes Wasserrad trug die Jahreszahl 1628. Das Hebbuch des Solinger Rentmeisters Wilhelm Vaßmann (1683–1684) verzeichnet: „Die Mühl im Jagenberg, deren Besitzer seligen Bertrams Kinder, haben keinen Zwang, und geben jährlich auf Martini ½ Malter Roggen.“ Demnach hatte die Bertramsmühle zu diesem Zeitpunkt keinen Mahlzwang, das heißt, dass die Bewohner eines bestimmten Bezirkes um die Mühle keine Verpflichtung hatten, in der Mühle mahlen zu lassen.

Das Solinger Heberegister aus dem Jahre 1684 nennt in der Bertramsmühle Tillmann Müller und Dirich Müller. Ob es sich dabei um die Eigentümer der Mühle handelt, ist nicht bekannt, aber sehr wahrscheinlich, wenn man die Tatsache berücksichtigt, das die Mühle bis 1880 im Besitz von Müllern gleichen Namens war. Man wird auch annehmen können, dass der im Altenberger Zehntenverzeichnis von 1758 genannte Bertram in Wirklichkeit Bertram Müller hieß; dieser war dem Kloster Altenberg abgabepflichtig. Bisher ließ sich nicht feststellen, ob Tillmann und Dierich Müller die Söhne des verstorbenen Bertram Müller waren.

Am 24.12.1763 wird ein Obligationsprotoll angelegt. Darin wird festgehalten, dass das Ehepaar Abraham Üßeler und Anna Gertr. Flocke eine Hyphothek über 2000 Reichsthaler am 20.2.1756 aufgenommen haben und als Unterpfand angeben: zu Königsmühle gelegenes elterliches Johann Flocke Erbguth und Mahlmühle, 1/2 Erbguth zu Pilghausen, Johann Flocke Erbguth von Wittib Tillmann Müller und Kinder laut Kaufbrief vom 15.10.1763 erkauftes Erbgut in der Betramsmühlen und halbe Mahlmühle.
(Am 24.6.1766 übertragen auf Fol.55)

1773

Im Jahre 1773 ist ein Müller Johann Müller zu Bertramsmühle genannt. Sein Nachfolger wird der Bäcker und Müller Johann Abraham Müller gewesen sein, der mit Anna Catharina Broch verheiratet war. Dem Ehepaar wurde am 26.11.1811 in der Bertramsmühle der Sohn Carl Benjamin geboren.

1789/1790

Karte von Wiebeking 1789/90
Karte von Wiebeking 1789/90: Unterhalb der Bertramsmühle erkennt man vier weitere Schleifkotten am Bachlauf. (Die Karte ist nicht genordet.)

1820

1820 wurde die Mühle neu erbaut. (Quelle: Lunkenheimer??)

1826

Nach dem Tode von Johann Abraham Müller wurde am 29. August 1826 durch den Notar Raffelsieper ein Inventar der Bertramsmühle aufgestellt. „Herzogtum Berg, im Canton Solingen, Gemeinde Dorp in der Bertramsmühle, in der Behausung der Kinder des verstorbenen Johann Abraham Müller am 29. August 1826. Nachmittags ein Viertel nach zwei Uhr, hat sich der unterzeichnete Johann Christian Raffelsieper, Notar im Landgerichtsbezirk Düsseldorf zu Solingen residirend, auf Ersuchen des Bäckers Johann Abraham Müller am Esel, Gemeinde Dorp, für sich und als Hauptvormund über seine Minorennen Bruder Carl Benjamin Müller, worüber der zu Theegarten, in der Gemeinde Dorp wohnende und hierbei ebenfalls persönlich gegenwärtige Gabelmacher Johann Wilhelm Schlemper am zwölften Currentis als Gegenvormund bestellt worden, des hierselbst wohnenden Schleifers Carl Reinhard Lauterjung und dessen von ihm hierbei zu diesem Acte authorisirten Ehefrau Caroline Müller Hierselbst eingefunden, um das Inventar über den Nachlaß des am sechsten laufenden Monats hier in der Bertrams-Mühle verstorbenen Müllers und Bäckers Johann Abraham Müller aufzunehmen, zu wessen Abschätzung der Gabelmacher Johann Abraham Joest in der Bertrams-Mühle und der Scheerenmacher Johann Abraham Seilheimer, Hinten zu Heesten in der Gemeinde Dorp von dem mit gegenwärtigen Löblichen Friedensgerichte zu Solingen /: wodurch am siebenten dieses die Siegel angelegt worden:, heute Vereidigt worden sind. Obengenannte Personen waren alle hierbei persöhnlich zugegen, und ist mit der Inventar Aufnahme ist folgendes verfahren worden.“

Dann folgt ein Aufzählung des gesamten Inventars.

Die Mühle kam nun in den Besitz von Johann Abraham Müller und Samuel Ueßler.

Nach dem Tode von J. Abr. Müller kam die Mühle in den Besitz seiner Erben, die die Mühle mit dem dazugehörigen Gut am 16.9. und 15.11.1826 (im Solinger Wochenblatt) zur Verpachtung ausschrieben. Wahrscheinlich kam die Mühle damals in den Besitz von (Johann) Abraham Müller und Samuel Ueßler, denn Julius Günther berichtet aus dem Jahre 1828: »Inhaber: Abraham Müller und Samuel Ueßler, – Oberschlägiges Wasserrad und zwei Mahlgänge für Weizen sowie Roggen und Hafer, die, auch wenn genügend Wasser vorhanden waren, niemals gleichzeitig betrieben werden konnten. Da diese Mühle alle Tage, wenn auch angeblich nur auf eine Stunde in Betrieb gesetzt werden konnte, so unterlag sie doch dem Steuersatz von 12 Talern.« Johann Abraham Müller war verheiratet mit M. Chr. Holz, einer Tochter der Eheleute Wirt und Ackerer Wilhelm Holz und Catharina Bungards am Esel (Grünewald).

Damals war die Konkurrenz für die Müller im hiesigen Bezirk groß und die Zeiten schlecht, es ist deshalb zu verstehen, dass sich die Müller einen Nebenerwerb verschafften. Wie die Müller Brünninghaus am Brühl, Büffert im Johänntgesbruch, Schmitz in der Haasenmühle und Bender in der Bausmühle, so richtete auch Johann Abraham Müller in der Bertramsmühle eine Wirtschaft ein und veranstaltete hier, wie auch die genannten Müller, Tanzmusiken, wie eine Anzeige im Solinger Wochenblatt vom 21.5.1828 berichtet:

21.5.1828 – Hofharmonie und Ball

»Mit obrigkeitlicher Bewilligung macht Unterzeichneter die ergebene Anzeige, daß er am zweiten und dritten Pfingsttag, Nachmittags von 3 bis 7 Uhr Hof-Harmonie und nachher Ball halten wird. Prompte Bedienung, so wie gute Getränke und Speisen werden ihn empfehlen. Auch wird am Dienstag Nachmittag ein Vogelschießen stattfinden, wobei der Gesellschaft ein Kalb geschenkt wird, welches auf Verlangen frisch oder gebraten überliefert werden kann. Freunde und Gönner werden hierzu höflichst eingeladen.
 Bertramsmühle den 20. May 1828. Joh. Abr. Müller«

1833

Das Adressbuch von 1833 nennt noch Abraham Müller und Samuell Ueßler als Müller in der Betramsmühle. 1840 sind Carl Müller und Dan. Uesseler in der Bertramsmühle genannt und 1869 der Bäcker und Müller Carl Müller.

Zeitungsanzeige: Solinger Kreis-Intelligenzblatt 29. Februar 1840
Ein Sack Weizen wurde verloren. Anzeige im Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 29.02.1840

1840

Zeitungsreklame: Solinger Kreis-Intelligenzblatt 28. Juli 1840
Carl, der Müller – wohlbesetzte Tanzmusik in der Bertramsmühle, wozu er Liebhaber ergebenst einladet. Anzeige im Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 28.07.1840

1881

Am 1. Mai 1881 zog der Müller und Bäcker Gustav Klein von Burg zu und übernahm die Mühle, er wird der letzte Müller in der alten Mühle gewesen sein. Carl Müller verzog am 2.8. 1881 nach Wieden.

1885

Die Solinger Zeitung vom 11. Februar 1885 verzeichnet unter den Geburten des Standesamts Dorp (31. Januar bis 6. Februar): Geburt von Elsa Klein, Tochter des Bäckers und Müllers Gustav Klein in der Bertramsmühle.

1886

Die Solinger Volkszeitung vom 1. Juli 1886 und die Solinger Zeitung vom 30. Juni 1886 verzeichnen übereinstimmend unter den Geburten des Standesamts Dorp (22.–28. Juni): Geburt von Otto Heinrich Klein, Sohn des Bäckers und Müllers Gustav Klein in der Bertramsmühle.

1894

Die Solinger Zeitung vom 27. Februar 1894 enthält eine Anzeige: »Prima Saathafer empfiehlt G. Klein, Bertramsmühle.«

1895

Laut Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 9. Januar 1895 wird Gustav Klein, Bertramsmühle, in die Bachschau-Kommission gewählt.

1898

Die Solinger Zeitung vom 11. Februar 1898 enthält eine Stellenanzeige: »Gustav Klein, Bertramsmühle sucht einen ordentlichen jungen Mann als Fuhrknecht.«

1903

Die Solinger Zeitung vom 27. Oktober 1903 verzeichnet unter den Geburten des Königlichen Standesamts Solingen vom 26. Oktober: Geburt von Luise Else Klein, Tochter des Bäckers und Wirts Gustav Klein in der Bertramsmühle.

Das Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 7. Dezember 1903 meldet, dass Gustav Klein, Bertramsmühle, in den Aufsichtsrat der neu gegründeten Genossenschaft „Landwirtschaftliches Kasino Solingen, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht“ gewählt wird.

1904

In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1904 brach in der Bertramsmühle ein Feuer aus, dem das alte Fachwerkgebäude zum Opfer fiel. Die freiwillige Feuerwehr konnte die Scheune retten. Der Schaden war durch Versicherung gedeckt.

Presseberichte zum Brand (Juli 1904)

Solinger Zeitung, 25. Juli 1904

In der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen ½ 12 Uhr brach in der auf dem Wege nach Glüder gelegenen, dem Müller und Bäcker Herrn Klein gehörigen Bertramsmühle Feuer aus, welchem das alte Fachwerkgebäude vollständig zum Raube fiel. Die zur Hülfeleistung herbeigeeilte Feuerwehr-Kompagnie Hästen mußte sich darauf beschränken, die neben der Mühle gelegene Scheune zu retten, was ihr auch gelang, allerdings nicht, ohne vom Publikum in unverantwortlicher Weise bei den Löschversuchen gehindert worden zu sein. Man hatte den Obergraben, der zur Entnahme von Wasser durch die Wehrleute zugesetzt worden war, mehrmals wieder aufgerissen, so daß schließlich durch Vermittlung des Herrn Hauptmanns Herberz polizeiliche Hülfe requiriert und hierauf die Ordnung wiederhergestellt wurde. Der durch den Brand entstandene Schaden ist, wie uns mitgeteilt wird, durch Versicherung gedeckt. Glücklicherweise wohnt der Besitzer der Mühle in einem Hause, das oberhalb derselben auf einer Anhöhe gelegen ist, sonst möchten Gefahr und Brandschaden wohl größer geworden sein.

Ohligser Anzeiger, 26. Juli 1904

Ein Schadenfeuer entstand vergangene Nacht in der Ortschaft Bertramsmühle in der dort befindlichen Wassermühle gleichen Namens, dem Bäcker und Müller Klein gehörig. Obwohl die freiwillige Feuerwehr bald zur Stelle war, gelang es doch nicht, des Feuers Herr zu werden. Die Mühle und ein angrenzendes Wohnhaus brannten fast vollständig nieder.

Opladener Zeitung, 27. Juli 1904

In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannte die dem Bäckermeister Klein zu Bertramsmühle gehörige Bertramsmühle – ein großes zweieinhalbstöckiges Fachwerkgebäude – bis auf den Grund nieder.

1911

Am 9. Februar 1911 ereignete sich zu Dornsiepen ein schwerer Unfall. Der Fuhrknecht Hartkopf, der beim Bäckermeister Klein von Bertramsmühle angestellt war, wollte mit einem mit Gerste beladenen Fuhrwerk von Dornsiepen nach Bertramsmühle fahren. Neben den Pferden gehend, kam er zu Fall und geriet unter sein Fuhrwerk. Ein Rad ging ihm über den Leib, das andere verursachte schwere Kopfverletzungen. Der in den 60er Jahren stehende, in Scharfhausen wohnende Verunglückte wurde zunächst in die Steffenesche Wirtschaft gebracht, wo ein Arzt die erste Hilfe leistete. Anschließend brachte ihn die Sanitätskolonne Solingen-Schlagbaum in das städtische Krankenhaus. Die Verletzungen galten als lebensgefährlich.

Presseberichte zum Unfall (Februar 1911)

Solinger Zeitung, 9. Februar 1911

Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute vormittag zu Dornsiepen. Der Fuhrknecht Hartkopf des Bäckermeisters Klein von Bertramsmühle, der mit einem mit Gerste beladenen Fuhrwerk auf dem Wege von Dornsiepen nach Bertramsmühle fahren wollte, kam, neben den Pferden gehend, zu Fall und geriet unter sein Fuhrwerk. Ein Rad ging dem Bedauernswerten über den Leib, das andere brachte ihm schwere Verletzungen am Kopfe bei. Der in den 60er Jahren stehende Verunglückte, der zu Scharfhausen wohnt und verheiratet ist, wurde in die Steffenesche Wirtschaft gebracht, wo ihm ein herbeigerufener Arzt die erste Hilfe leistete. Die Verletzungen am Kopfe, anscheinend auch die inneren Verletzungen, sind lebensgefährlich. H. wurde von Mitgliedern der Sanitätskolonne Solingen Schlagbaum in das städtische Krankenhaus gebracht.

Walder Zeitung, 10. Februar 1911

Unter das eigene Fuhrwerk geraten ist gestern Morgen der Kutscher H. des Bäckermeisters Klein von Bertramsmühle auf dem Wege von Dornsiepen. Ein Rad ist dem Bedauernswerten über den Leib gegangen, das andere brachte ihm schwere Kopfverletzungen bei, die lebensgefährlich sind. Der Verunglückte wurde durch die Sanitätskolonne Schlagbaum in das Krankenhaus gebracht.

Ohligser Anzeiger, 10. Februar 1911

Solingen, 9. Febr. Mehrere schwere Unglücksfälle ereigneten sich heute. Zu Dornsiepen geriet der beim Mühlenbesitzer Klein zu Bertramsmühle beschäftigte Fuhrmann Hartkopf unter sein schwer mit Getreide beladenes Fuhrwerk, wurde überfahren und tötlich verletzt.

1913

Ab 1913 warb Otto Klein – wie der Geburtseintrag von 1886 belegt, der Sohn von Gustav Klein – in einer ausgedehnten Anzeigenkampagne für die Bertramsmühle als Ausflugsziel. Die Inserate erschienen bis Ende September 1913 in diversen lokalen Zeitungen und bewarben das Lokal als Restauration und Garten-Wirtschaft. Als besonderer Anreiz wurde der landschaftlich reizvolle Weg von der Krahenhöhe über Bertramsmühle nach Burg hervorgehoben – ein Hinweis darauf, dass man vor allem Touristen und Ausflügler ansprechen wollte.

Zeitungsanzeige: Bertramsmühle – Restauration und Garten-Wirtschaft, Inhaber Otto Klein, Tel. 393
Werbeanzeige 1913: Bertramsmühle als Restauration und Garten-Wirtschaft unter Inhaber Otto Klein

1918

Zeichnung Bertramsmühle um 1918
Zeichnung aus Lunkenheimer, untertitelt mit Bertramsmühle, nach einer Darstellung von G. Bayer, um 1918
KI-generierte fotorealistische Ansicht der Bertramsmühle um 1918, basierend auf der Zeichnung von G. Bayer
Fotorealistische Visualisierung der Bertramsmühle um 1918, erzeugt von Google Gemini auf Basis der Zeichnung von G. Bayer – kein historisches Foto. Das aufgeständerte Gerinne ist korrekt wiedergegeben; das Wasser kam von links über das Gerinne auf das Wasserrad. Der rechte Bildteil mit dem seitlich zulaufenden Wasser ist eine Fehldeutung der KI – und damit auch die Drehrichtung des Wasserrades, die genau entgegengesetzt war.

Anmerkung zur Datierung: Die Zeichnung zeigt offenbar das Gebäude vor dem Brand von 1904, der die Bertramsmühle - das Gebäude mit dem Wasserrad - fast vollständig vernichtete. Die Überlieferung „um 1918“ dürfte daher nicht stimmen – entweder entstand die Zeichnung vor 1904, oder sie basiert auf einer älteren Vorlage.

Der Betrachter steht auf dem Weg, der vom Steinbockweg zur Hofschaft führt, und blickt von Süden auf die Gebäude. Gut erkennbar ist die Lage des oberschlächtigen Wasserrades. Das Gerinne (Obergraben) überquerte aufgeständert genau diesen Weg. Heute ist der Standort des ehemaligen Wasserrades nur noch für Wissende auffindbar. Der Mühlenteich, der das Wasserrad speiste, befand sich mehr als 100 Meter oberhalb des heutigen Mühlengebäudes, am Meisenburger Weg, der sich von Norden der Hofschaft nähert. Er ist in der Anlage nur noch zu erahnen.

1926

In der Nacht vom 10. auf den 11. August 1926 brach erneut ein Feuer in der Bertramsmühle aus. Diesmal vernichtete es die Ställe und die in demselben Gebäude untergebrachte Bäckerei von Otto Klein bis auf die Grundmauern. Mit knapper Not konnte das Vieh gerettet werden. Als Ursache wurde Kurzschluss vermutet. Die Wassermühle und das Restaurationsgebäude blieben vom Feuer verschont.

Presseberichte zum Brand (August 1926)

Ohligser Anzeiger, 12. August 1926

Feuer brach gestern nacht gegen 2 Uhr bei dem Mühlenbesitzer in der Bertramsmühle aus, dem die gesamten Ställe und die in demselben Gebäude untergebrachte Bäckerei zum Opfer fiel. Als der Brand von einem Nachbar bemerkt wurde, stand alles schon in hellen Flammen, so daß sich die sofort herbeigerufene Feuerwehr nur noch auf den Schutz der Nebengebäude beschränken konnte. Mit knapper Not wurde das Vieh gerettet. Als Ursache des Brandes wird Kurzschluß vermutet.

Bergische Zeitung / Solingen und Umgegend, 12. August 1926

Ein großes Schadenfeuer hat in der vorletzten Nacht das Besitztum des Müllers, Bäckers und Wirtes O. Klein zu Bertramsmühle heimgesucht. In noch unaufgeklärter Weise entstand der Brand nachts gegen 1 Uhr, entweder in dem Stallgebäude oder der angrenzenden Bäckerei. Als das Feuer bemerkt wurde, standen beide Gebäude bereits in hellen Flammen und nur mit großer Mühe gelang es im letzten Augenblick, das Vieh aus dem Stalle zu retten. Die Kompagnie Hästen und Wehrleute der übrigen Kompagnien unserer freiwilligen Feuerwehr eilten mit der Hästener Handdruckspritze zur Hilfeleistung herbei, sie vermochten aber nicht mehr zu verhindern, daß Stall und Bäckerei bis auf die Grundmauern niederbrannten. Die Wassermühle und die anstoßenden Gebäude, sowie das Restaurationsgebäude blieben vom Feuer verschont. Der entstandene Schaden ist recht erheblich.

1943

Im Jahre 1943 veröffentlichte die Bergische Zeitung einen Bericht über einen Vorfrühlings-Spaziergang durch die Wupperberge mit dem Titel „Wo die Wälder noch rauschen …” von Hanni Schachmann. Der Artikel beschreibt die Bertramsmühle als noch funktionierende Mühle:

»Der Weg lichtet sich und dort liegt Bertramsmühle. Der Mühlenteich links hat wenig Wasser, der Bach aber plätschert munter an unserer Seite und immer deutlicher vernehmen wir das Rauschen und Klappern des Mühlrades, das sich schwungvoll dreht und vor dem wir kurz verweilen, ehe wir uns zu einem erfrischenden Trunk in das Lokal begeben.«

Damaliger Besitzer der Mühle war Otto Klein, dessen Vater das Haus durch Um- und Aufbauten unter Benutzung der alten Mühle errichtet hatte. Otto Klein konnte damals bald auf ein dreißigjähriges Geschäftsjubiläum zurückblicken. Die Wirtin Frau Klein bediente die Gäste. Der Artikel berichtet weiterhin, dass das Backhaus und die Stallungen durch ein Schadenfeuer vernichtet worden waren.

Vollständiger Artikel: „Wo die Wälder noch rauschen …” (1943)

Wo die Wälder noch rauschen . . .
Vorfrühlings-Wanderung durch die Wupperberge

An einem sonnenhellen Vorfrühlingssonntag entsteigen wir früh morgens in Meisenburg der Straßenbahn und schlagen den Weg nach Bertramsmühle ein. Die Felder schimmern grün herüber, die Wiesen haben auch schon einen frischeren und kräftigeren Ton. Gänseblümchen lugen hier und da heraus. Am Wegrand blüht gelber Huflattich, die Sträucher zeigen die ersten Blättchen und dort der Haselnußstrauch hat dicke gold-silberne Kätzchen aufgesteckt. Ein Rotkehlchen hüpft piepsend und futtersuchend vor uns über den Weg, schwingt sich auf eine Birke und schmettert uns hell seinen Lockruf entgegen.

Der Weg lichtet sich und dort liegt Bertramsmühle. Der Mühlenteich links hat wenig Wasser, der Bach aber plätschert munter an unserer Seite und immer deutlicher vernehmen wir das Rauschen und Klappern des Mühlrades, das sich schwungvoll dreht und vor dem wir kurz verweilen, ehe wir uns zu einem erfrischenden Trunk in das Lokal begeben.

Bertramsmühle um 1893, aus dem Artikel "Wo die Wälder noch rauschen" 1943
Bertramsmühle um 1893. Aus dem Artikel "Wo die Wälder noch rauschen" von Hanni Schachmann, 1943

Frau Klein, die Wirtin, bedient uns. Um die Vergangenheit der Mühle befragt, erteilt sie gerne Auskunft. Die heutige Aufnahme zeigt, wie das Anwesen vor rund fünfzig Jahren aussah. Rechts sieht man die alte Mühle. Das Wasser zum Antrieb des Rades wurde von der linken Seite hoch über den Weg in einer Rinne geleitet. Links standen das Backhaus und die Stallungen. Diese Baulichkeiten wurden durch ein Schadenfeuer vernichtet. Jetziger Besitzer ist Otto Klein, der bald auf ein dreißigjähriges Geschäftsjubiläum zurückblicken kann. Sein verstorbener Vater errichtete das jetzt noch stehende Haus unter Benutzung der alten Mühle durch Um- und Aufbauten. Das Fachwerkhaus im Hintergrund des Bildes ist noch heute vorhanden. Einem Teil unserer älteren Leser wird die frühere Mühle noch in guter Erinnerung sein. Mit Dank für die freundlichen Erklärungen verabschieden wir uns von der Wirtin und setzen den Weg fort. Der Wald nimmt uns auf. Sogar die Tannen scheinen in diesem Jahre frischeres Grün als sonst im Monat März aufzuweisen. Vereinzelte Spaziergänger begegnen uns. Sie kommen aus der Richtung Glüder oder Burg. Weiter führt der Weg, vorbei an der Petersmühle, an der zur Zeit Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden. Der Blick fällt auf die Wupper. Sie hat heute eine etwas eigenartige braun-rote Farbe. Die dort im Fluß liegenden Steinblöcke ragen weit heraus. Sie erinnern uns an entschwundene Kindertage, als wir sie zu Tur nübungen benutzten. In jenen Zeiten stand noch nicht die feste Brücke von heute.

Rückwärts führt der Weg empor zum Pfaffenberg. Auf halber Höhe schauen wir hinüber zur Solinger Talsperre mit ihren schönen Waldungen. In Hästen wartet die Straßenbahn, um uns zur Stadt zurückzuführen.

Hanni Schachmann.

2003

Hofschaft Bertramsmühle Frühjahr 2003
Hofschaft Bertramsmühle Frühjahr 2003, vom Steinbockweg kommend

2026

Hofschaft Bertramsmühle Maifeiertag 2026
Hofschaft Bertramsmühle Maifeiertag 2026, vom Steinbockweg kommend

Einst baten die Besitzer zum Tanz, neuerdings warten selbige auf eine Regenwasserableitung, die nicht den Mühlenkeller nutzt.

Gegenwart

Die Hofschaft Bertramsmühle ist eher durch das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus Nummer 5 bekannt, dessen güldener Spruch »Bewahre uns vor Wasser, Feuer, Wind und vor Gesellen, die langweilig sind« so manchen Wanderer zum Schmunzeln bringt und glauben lässt, es wäre das Mühlengebäude.

Hofschaft Bertramsmühle Herbst 2002, Haus Nummer 5
Hofschaft Bertramsmühle Herbst 2002, Haus Nummer 5

Quellen / Literatur